Indien

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Sehenswertes

Delhi

Der erste Eindruck von Delhi ist höchstwahrscheinlich kein positiver, insbesondere wenn es der erste Eindruck von Indien ist. Vermutlich fallen dem Besucher Luftverschmutzung, Menschenmassen, Gestank und Lärm lange vor den Reizen der Stadt auf. Aber es lohnt sich, dies alles eine Weile auszuhalten: Die Geschichte der Stadt ist faszinierend und auf Schritt und Tritt präsent, die Basare von Paharganj sind ein wunderbarer Einstieg in die indische Backpacker-Route, die Bauwerke der Stadt zählen zu den architektonisch herausragendsten des Landes, und das Essen ist erstklassig.

Delhi ist die Hauptstadt Indiens und zugleich der Verkehrsknotenpunkt Nordindiens. Es ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für einen Besuch von Agra und des Taj Mahal, und auch das rajasthanische Jaipur liegt weniger als fünf Stunden entfernt. Wer auf dem Weg nach Norden zum Himalaya oder nach Osten zu den Ghats von Varanasi ist, kommt wahrscheinlich durch Delhi. Also die Zähne zusammenbeißen, die Luft anhalten und hinein ins Geschehen!

Wer Delhi besucht, bekommt gleich zwei Städte geboten: "Old" Delhi, von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Hauptstadt des islamischen Indiens, und ein paar Kilometer weiter südlich New Delhi, der auf dem Reißbrett entworfene Regierungssitz des britischen Raj. In "Old" Delhi steht das gewaltige, 1638 erbaute Red Fort (Lal Qila) aus rotem Sandstein mit 33 m hohen Mauern, das an die Macht und Pracht der Mogule erinnert. Das Haupttor der Festung, Lahore Gate, ist einer der symbolischen Brennpunkte der modernen indischen Nation. Die Hauptstraße von "Old" Delhi ist Chandni Chowk, ein zauberhafter Basar und das schönste Beispiel für das bunte Leben und Chaos im heutigen Indien. Südlich von hier steht die Jama Masjid, die größte Moschee Indiens, mit deren Bau 1644 begonnen wurde.

New Delhi besteht aus breiten, baumbestandenen Alleen und imposanten Regierungsgebäuden. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten zählen Rashtrapati Bhavan (einst das Haus des Vizekönigs, heute die offizielle Residenz des indischen Präsidenten), Parliament House, das 40 m hohe India Gate und die breite Paradestraße Rajpath. Connaught Place ist der zentrale Treffpunkt mit guten Einkaufsmöglichkeiten, Banken, Reisebüros und den Büros der meisten Fluggesellschaften.

Eines der schönsten Gebäude der Stadt ist Humayun's Tomb im Südosten, das besterhaltene Beispiel früher Mogularchitektur in Delhi.

Etwas außerhalb liegt Qutab Minar, eine 73 m hoch aufragende Siegessäule, die 1193 gleich nach Qutab-ud-dins Sieg über das letzte hinduistische Königreich von Delhi errichtet wurde. Am Fuß des Turmes steht die Quwwat-ul-Islam Mosque, die erste Moschee Indiens.

Der Shalimar Garden, etwa 10 km nordwestlich von "Old" Delhi, ist einer der bedeutendsten Mogulgärten der Stadt mit einem wunderschönen Pavillon, dem Shish Mahal.

Die meisten Unterkünfte finden sich in Paharganj, nahe dem Bahnhof New Delhi (preiswert), und in Janpath, südlich des Connaught Place (untere und mittlere Preisklasse).

Delhi ist einer der wichtigsten internationalen Flughäfen Indiens und ein guter Ort, um billige Flugtickets zu kaufen. Von hier bestehen Inlandsflugverbindungen zu allen wichtigen Zielorten. Der Hauptbusbahnhof, der Interstate Bus Terminal, befindet sich am Kaschmiri Gate, nördlich der (Old) Delhi Railway Station. Delhi ist ein wichtiger Bahnhof, und bei der New Delhi Railway Station kann man problemlos Züge reservieren.

Mumbai

Bollywood-Filme, Cricket auf den Maidans, bhelpuri am Strand von Chowpatty und rote Doppeldeckerbusse, das ist Mumbai. Zur Stadt gehören aber auch die berüchtigten cages des Rotlichtviertels, die größten Slums Asiens, eine kommunalistische Politik und mächtige Mafiabosse. Dieses Tauziehen um die Seele der Stadt vollzieht sich vor dem Hintergrund einer viktorianischen Stadtlandschaft, die eher an eine wohlhabende englische Industriestadt des 19. Jahrhunderts erinnert als an irgendetwas, das man am Rande des Arabischen Meeres erwarten würde.

Jeden Besucher zieht es zum Gateway of India an der Hafenfront Apollo Bunder, dem Triumphbogen aus gelbem Basalt, der 1924 offiziell eröffnet wurde und das koloniale Wahrzeichen der Stadt ist. Das majestätische Taj Mahal Hotel von 1903, eine Institution von Mumbai, bietet von seiner Apollo Bar im obersten Stockwerk eine großartige Sicht auf das Tor. Die Straßen hinter dem Taj Mahal Hotel sind das Traveller-Zentrum von Mumbai, da es hier eine gute Auswahl an Hotels und Restaurants gibt.

Die Hauptstraße dieser Gegend, der Colaba Causeway, bietet eine bunte Mischung aus Straßenverkäufern, Läden, Buden und Cafés. Sie führt in nördlicher Richtung zum faszinierenden indosarazenischen Prince of Wales Museum mit einer herausragenden Sammlung alter Kunstwerke. Die ausgezeichnete neue National Gallery of Modern Art in der nahe gelegenene Cowasji Jehangir Public Hall beherbergt dagegen faszinierende, moderne indische Kunst.

Das Geschäftszentrum von Mumbai ist die lebhafte Gegend um den einstigen Standort des von den Briten errichteten Forts, in der extravagante viktorianische Gebäude auf die europäischen Wurzeln der Stadt verweisen. Das prunkvollste Beispiel ist der Victoria Terminus am Nordrand dieses Viertels.

In den bunten Hallen des Crawford Market oder Phule Market nördlich des Victoria Terminus kaufen die Bewohner im Zentrum Mumbais Obst, Gemüse und Fleisch ein.

Der Marine Drive, der im Westen der Stadt am Ufer des Arabischen Meeres entlang vom Nariman Point zum Fuße des Malabar Hill führt, ist eine von Mumbais bevorzugten Promenaden. Er führt auch an dem berühmtem Chowpatty Beach vorbei, der jedoch kein Ort zum Sonnenbaden oder Schwimmen ist. Tagsüber geschieht hier nicht viel, dafür ist am Abend umso mehr los.

Etwas außerhalb, am Ende eines langen, ins Arabische Meer ragenden Dammweges im Nordwesten der Stadt, liegt die weiß getünchte, märchenhafte Haji Ali Mosque aus dem 19. Jahrhundert.

Die Haupttouristenattraktion in der Umgebung Mumbais ist Elephanta Island, 10 km nordöstlich des Gateway of India, mit Höhlentempeln, die vermutlich zwischen 450 und 750 n.Chr. in den Felsen gehauen wurden.

Mumbai ist der wichtigste internationale Flughafen Indiens. Fernbusse fahren vom State Transport Terminal gegenüber dem Central-Bahnhof von Mumbai ab. In Mumbai laufen zwei Bahnlinien zusammen. Central Railways ist für Verbindungen nach Osten und Süden zuständig sowie für ein paar Züge nach Norden; Western Railways unterhält von den Bahnhöfen Churchgate und Central Zugverbindungen nach Norden.

Goa

Es ist schade, dass Goa ein bisschen als Gammler- und Hippietreff verrufen ist, denn es bietet viel mehr als nur Sonne, Sand und Strandparties. Der Reiz Goas besteht darin, dass es sich vom restlichen Indien abhebt und klein genug ist, um so ausführlich erkundet zu werden, wie das mit anderen indischen Staaten nicht möglich ist.

Für die meisten Besucher ist die Hauptstadt von Goa, Panaji, nicht viel mehr als ein günstiger Verkehrsknotenpunkt, dabei strahlt diese bezaubernde Stadt viel portugiesisches Flair aus. Am stimmungsvollsten ist ein Spaziergang durch das alte Viertel Fontainhas.

Von Old Goa, der zweiten Hauptstadt der Adil Shahi-Dynastie von Bijapur und der portugiesischen Hauptstadt, ist nicht viel mehr als ein paar beeindruckende Kirchen erhalten, am berühmtesten die Basilica of Bom Jesus, die das Grab und die sterblichen Überreste des heiligen Franz Xaver enthält, der das Christentum in Südasien eingeführt haben soll.

Einer der interessantesten Küstenabschnitte von Goa erstreckt sich zwischen Chapora und Vagator: Reihen von Kokospalmen, kleine Sandbuchten, schöne Strände und Felsenkliffs.

Der Strand von Calangute war bis vor nicht allzu langer Zeit ein beliebter Hippie-Treffpunkt, insbesondere um Weihnachten. Inzwischen hat sich der Ort zu einem Zentrum von Goas rasch wachsendem Pauschaltourismusmarkt gewandelt. Es zählt zwar nicht zu den besten Stränden Goas, aber dafür ist hier eine Menge los. Anjuna, nördlich von Calangute, ist in ganz Goa für seinen Flohmarkt am Mittwoch berühmt.

Das kleine Bondla Wildlife Sanctuary am Fuße der Westghats ist ein guter Ort, um Sambars und Wildschweine zu beobachten und der "Strandkultur" zu entkommen.

Mehrere Chartergesellschaften fliegen direkt von Deutschland zum Dabolim Airport von Goa.

Es gibt außerdem regelmäßige Flugverbindungen zwischen Goa und Mumbai, Delhi, Udaipur, Bangalore, Madras, Kochi und Thiruvananthapuram. Die 760 km lange Konkan Railway wurde Anfang 1998 eröffnet und stellt nun eine schnelle Verbindung zwischen Mumbai und Goa (10 Std.) sowie mit Mangalore weiter südlich (15 Std.) dar. Private Busgesellschaften unternehmen weiterhin die gefürchteten Fahrten im Superdeluxe-Videobus von Panaji und Margao nach Mumbai, Mysore und Bangalore. Außerdem verbindet ein kostspieliger Katamaranservice Panaji zwischen Oktober und Mai täglich in sieben Stunden mit Mumbai.

Kalkutta

Die Hauptstadt West-Bengalens ist ein auswucherndes Gebilde am Ostufer des Hooghly River. Einst die ruhmreiche Hauptstadt von British India, begann ihre Horrorgeschichte von Verwahrlosung und Hunger erst mit der Partition und dem anschließenden Zustrom von Flüchtlingen. Dennoch preist sich die Stadt gern als "City of Joy" an und entpuppt sich, wenn man ihr nur die Gelegenheit gibt, als eine der faszinierendsten und sympathischsten Städte des Landes - die intellektuelle Hauptstadt der Nation und eine aufstrebende politische und künstlerische Arena.

Die "Lunge" der Stadt ist der Maidan, eine riesige offene Grünfläche, die von den Kalkuttern zur Entspannung, für Cricket- und Fußballspiele, politische Versammlungen, Yoga-Übungen und von weidenden Schafen genutzt wird. Das Gebiet ist groß genug, um dem imposanten, bis heute genutzten Fort William Platz zu bieten. Am südlichen Ende des Maidan steht das riesige Victoria Memorial aus weißem Marmor mit der Statue einer altmodischen Queen Victoria davor. Es beherbergt eine große Sammlung an historischen Objekten aus British-India.

Kalkuttas Verwaltungszentrum ist der BBD Bagh (Dalhousie Square). Der Platz vereint das Absonderliche mit dem Brutalen: Auf der einen Seite befindet sich das Writers' Building, wo "Schreiber" sich im kafkaesken Labyrinth aus Korridoren und riesigen Zimmern abrackern; auf der anderen Seite ist das GPO, das an der Stelle des berüchtigten "black hole of Kalkutta" errichtet wurde. Hier waren in einer feuchten Nacht des Jahres 1756 über 140 britische Bewohner der Stadt in einen Keller gesperrt worden, wo viele über Nacht erstickten.

Einer Legende zufolge fiel, als der Leichnam von Shivas Frau aufgeschnitten wurde, einer ihrer Finger an der Stelle zu Boden, an der jetzt der Kali Temple steht. Der Tempel ist ein etwas gruseliger Pilgerort, wo morgens Ziegen die Kehle durchgeschnitten wird, um den Blutdurst der Göttin zu stillen. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören das hervorragende Indian Museum, das größte und wahrscheinlich beste Museum des Landes (allerdings staubig und auf Grund fehlender Mittel ziemlich mitgenommen); die Botanical Gardens, die einen 200 Jahre alten Banyan-Baum mit dem weltweit zweitgrößten Blätterdach (das größte ist in Andhra Pradesh) beherbergen, und die zum Wahrzeichen der Stadt gewordene Eisenbrücke Howrah Bridge, die als verkehrsreichste Brücke der Welt gilt.

Budgetunterkünfte, preiswerte Lokale und Bars sind in Chowringhee, südlich der Howrah Bridge, im Überfluss zu finden. In der von der Chowringhee Rd abgehenden Sudder St treffen sich die Budget-Traveller. In dieser Gegend gibt es auch zahlreiche Kinos, die Anspruchsvolles und Experimentelles aus Kalkutta, die neuesten Hollywoodfilme und deren Bollywood-Pendants zeigen. Kalkutta ist kein Einkaufsparadies, insbesondere seit eine Säuberungskampagne die Straßenhändler vertrieben hat, doch der New Market, nördlich der Sudder St, ist ein guter Ort, um über den Preis von allen möglichen Waren - von Kleidung bis zu Flechtwerk - zu verhandeln.

Kalkutta ist ans internationale Flugnetz angeschlossen. Indian Airlines in Kalkutta bietet häufige Flüge zu den wichtigsten inländischen Zielen, darunter Delhi, Bangalore, Chennai, Mumbai und Lucknow. Im Allgemeinen ist es besser, mit dem Zug zu reisen als mit dem Bus. Informationen über Fernzüge bekommt man entweder beim Howrah-Bahnhof am Westufer des Hooghly River, oder beim Sealdah-Bahnhof auf der gegenüberliegenden Seite.

Agra

Der Taj Mahal, der als extravagantestes Bauwerk, das je aus Liebe errichtet wurde, gilt, ist für Touristen das Wahrzeichen Indiens schlechthin geworden. Dieses eindrucksvolle Mogul-Mausoleum wurde von Großmogul Shah Jahan zum Gedenken an seine zweite Frau Mumtaz Mahal errichtet, deren Tod bei ihrer Niederkunft 1631 dem Mogulkaiser so großes Leid verursachte, dass sein Haar über Nacht ergraut sein soll. Mit dem Bau des Taj wurde noch im selben Jahr begonnen, doch fertig gestellt wurde er erst 1653.

Obwohl der Taj Mahal aus fast jedem Winkel besehen unglaublich anmutig ist, sind es die bei näherer Betrachtung erkennbaren Details, die am meisten beeindrucken. Halbedelsteine sind in einem Prozess, der als pietra dura bekannt ist, in wunderschönen Mustern in den Marmor eingelassen. Die Präzision und Sorgfalt, die für den Entwurf und Bau des Taj Mahal aufgeboten wurden, sind eingizartig - ob man ihn nun vom anderen Flussufer betrachtet oder aus nächster Nähe. Der Taj Mahal ist montags geschlossen.

Die andere Sehenswürdigkeit der Stadt ist das große Agra Fort aus rotem Sandstein, ebenfalls am Ufer des Yamuna River. Die mächtigen Doppelmauern des Fort sind über 20 m hoch und haben einen Umfang von 2,5 km. Sie werden von einem übel riechenden Graben umgeben und umschließen ein Labyrinth aus prächtigen Sälen, Moscheen, Räumlichkeiten und Gärten, die zusammen eine eigene kleine Stadt bilden. Leider stehen Besuchern nicht alle Gebäude offen, darunter auch die weiße Perlmoschee aus Marmor, die einige für die schönste Moschee Indiens halten.

Zu anderen kostbaren Hinterlassenschaften der Mogulen gehören das Mausoleum Itimad-ud-daulah, das in vielen Gestaltungselementen Vorbild für den Bau des Taj Mahal war, und Akbar's Mausoleum in Sikandra, das islamische, hinduistische, buddhistische, jainistische und christliche Motive vereint, ganz ähnlich der von Akbar entwickelten synkretistischen religiösen Philosophie.

Agra liegt nah genug bei Delhi (200 km), um von dort aus in einem Tagesausflug besichtigt werden zu können. Da es eines der Hauptziele von Indientouristen darstellt, stehen eine Reihe von Transportmitteln zur Auswahl (Flugzeug, Bus oder Bahn).

Varanasi

Über 2000 Jahre lang war Varanasi, die "ewige Stadt", das religiöse Zentrum Indiens. Die am Ufer des heiligen Ganges errichtete Stadt soll die Vorzüge aller anderen Wallfahrtsorte vereinen, und jeder, der hier stirbt, gelangt direkt in den Himmel, ganz gleich, woran er glaubt und wie groß seine Missetaten auch gewesen sein mögen. Varanasi, die östlichste Stadt in Uttar Pradesh, ist ein wichtiges Gelehrtenzentrum, in dem Schriftsteller, Philosophen und Grammatiker zu Hause sind. Dies spiegelt sich auch in seiner Bedeutung für die Entwicklung des Hindi wider, das einer indischen Nationalsprache noch am nächsten kommt.

Varanasi hat über 100 Bade- und Verbrennungs-Ghats, doch das heiligste von allen ist das Manikarnika Ghat. Es ist das Hauptverbrennungs-Ghat und einer der verheißungsvollsten Orte, an dem ein Hindu eingeäschert werden kann. Um die Leichen, die auf einer mit Tüchern umwickelten Bambusliege durch die Gassen der alten Stadt zum heiligen Ganges getragen werden, kümmern sich als chandal bezeichnete "Unberührbare". An der Spitze des Ghat stapeln sich riesige Haufen Feuerholz. Jeder Stamm wird sorgsam auf einer mächtigen Waage gewogen, damit der Preis der Einäscherung errechnet werden kann. Zuschauer sind bei Einäscherungen zugelassen, da der Tod in Manikarnika ein ganz normales Geschäft darstellt; die Kamera sollte man jedoch im Hotel lassen.

Um das Geschehen am Fluss in aller Ruhe zu beobachten, eignet sich am besten das Dasaswamedh Ghat. Hier wimmelt es von Menschen, die nicht nur für ein rituelles Bad an den Ganges kommen, sondern auch um Yoga zu praktizieren, zu beten, paan zu kaufen, sich massieren zu lassen, Blumen zu verkaufen, Cricket zu spielen, zu schwimmen, sich zu rasieren und ihr Karma durch ein Almosen an die Bettler aufzubessern. Es ist außerdem der beste Ort, um eine Bootsfahrt zu organisieren, da unter den Bootsbesitzern ein starker Wettbewerb herrscht.

Abgesehen von den vielen Ghats am Fluss bietet die Stadt noch weitere Höhepunkte: den Golden Temple mit eindrucksvollen vergoldeten Türmen; Einkaufsbummel auf den Märkten, die für ihre verzierten Messingwaren, Lackspielzeug, Tücher, Seidenstoffe und Sitars berühmt sind; einen Streifzug durch die verwinkelten Gassen, die sich von den Ghats wegschlängeln; einen Besuch des nahe gelegenen buddhistischen Zentrums Sarnath und die obligatorische gemächliche Flussfahrt auf dem Ganges in der Morgendämmerung.

Varanasi liegt auf der Haupttouristenroute, etwa 580 km östlich von Agra und 780 km südöstlich von Delhi, und ist per Flugzeug, Bus oder Zug zu erreichen.

Shimla

Die "Sommerhauptstadt" von British-India erstreckt sich entlang eines halbmondförmigen Bergkamms in einer Höhe von über 2100 m im Süden von Himachal Pradesh. Sie war vor der Unabhängigkeit eine der wichtigsten Hill Stations in Indien. Das hiesige gesellschaftliche Leben in den Sommermonaten, wenn die Briten vor der sengenden Hitze der Ebenen in den Bergen Zuflucht suchten, ist legendär - Bälle, Bridgeparties und Paraden gingen einher mit Klatsch, Intrigen und Liebesaffären. Inzwischen haben Urlauberhorden die Offiziere, Verwaltungsbeamten und vornehm tuenden Damen des Raj ersetzt, aber es finden sich noch immer zahlreiche Überbleibsel aus der britischen Vergangenheit von Shimla. Die berühmte Hauptstraße, The Mall, führt nach wie vor am Bergkamm entlang und wird von imposanten Häusern englischen Stils gesäumt. Christ Church, Gorton Castle und die festungsähnliche ehemalige Viceroyal Lodge verstärken die britische Atmosphäre.

Wer von Kipling, Burton und Merchant-Ivory träumend den obligatorischen Bummel über die Mall gemacht hat, sollte die engen Gassen erkunden, die steil vom Bergkamm zu den farbenfrohen örtlichen Basaren abfallen. Es ist auch möglich, einen interessanten Spaziergang zum Jakhu Temple, der dem Affengott Hanuman geweiht ist, zu unternehmen. Er befindet sich nahe dem höchsten Punkt des Bergrückens und bietet schöne Aussichten auf die Stadt, das sie umgebende Tal und schneebedeckte Gipfel. Weitere landschaftlich reizvolle Orte in der Umgebung sind die 70 m hohen Chadwick Falls, der Picknickplatz Prospect Hill und Wildflower Hall- der ehemalige Herrensitz von Lord "Dein-Land-braucht-Dich"-Kitchener. Der Wintersportort Kufri liegt nur 15 km östlich, allerdings hat es hier in den letzten Jahren so wenig geschneit, dass der Tourismusbetrieb vielleicht bis auf Weiteres eingestellt wird. Wenn es Schnee gibt, eignen sich die Hänge für Anfänger und jeden, der mit einer vernünftigen Plastiktüte und dicken Hosen versehen ist. Die beste Aussicht auf Schnee hat man im Januar und Februar.

Shimla verfügt über weniger gute Flugverbindungen als andere Ziele im Himalaya, es gibt aber ein paar Fluggesellschaften, die hinfliegen. Drei Sorten von Bussen - öffentliche, private und jene der Himachal Pradesh Tourist Development Company (HPTDC) - verbinden Shimla mit Delhi und verkehren i.A. täglich. Shimlas so genannter toy train ist immerhin groß genug, um Besucher nach Kalka im Norden zu transportieren, wo man in den relativ großen und bequemen New Delhi Queen umsteigen kann, der nach New Delhi fährt.

Jaipur

Die Hauptstadt Rajasthans ist wegen des ocker-pinkfarbenen Anstrichs ihrer alten Gebäude und zinnenbewehrten Stadtmauern im Volksmund als "rosa Stadt" bekannt. Die Farbe Rosa war bei den Rajputen ein Symbol für Gastfreundschaft, und sie sollen die Stadt daher anlässlich des Besuchs des britischen Prinzen Alfred 1853 in diesem Ton angestrichen haben. Diese Tradition sowie Jaipurs herzliche, entspannte Atmosphäre haben sich bis heute erhalten.

Jaipur verdankt seinen Namen, seine Gründung und sorgfältige Anlage dem großen Krieger und Astronomen Maharaja Jai Singh II. (1699-1744), der den Niedergang der Mogulmacht ausnutzte, um seine recht beengte Festung auf einem Hügel im nahe gelegenen Amber 1727 an einen neuen Platz in der Ebene zu verlegen. Er entwarf die Stadt mit der sie umgebenden Mauer und sechs rechteckigen Straßenblöcken gemäß den in der Shilpa-Shastra, einer alten hinduistischen Abhandlung zur Architektur, festgelegten Prinzipien der Stadtentwicklung.

Heute ist Jaipur eine Stadt mit breiten Straßen und einer bemerkenswert harmonischen Architektur, erbaut auf dem Grund eines ausgetrockneten Sees und umgeben von kahlen Hügeln. Sie zählt mittlerweile 1,5 Millionen Einwohner und hat sich über das ursprüngliche befestigte Gebiet hinaus ausgedehnt, doch die meisten ihrer Sehenswürdigkeiten liegen dicht beieinander in der ummauerten "rosa Stadt" im Nordosten Jaipurs. Alle sieben Tore in die Altstadt sind erhalten; eines davon führt zum Johari Bazaar, dem berühmten Juweliermarkt.

Das alles überragende Wahrzeichen der Altstadt ist das Iswari Minar Swarga Sul (das "den Himmel durchbohrende Minarett"), doch die größte Sehenswürdigkeit ist die kunstvoll gestaltete fünfstöckige Fassade des Hawa Mahal oder Palast der Winde. Der Palast wurde 1799 errichtet, um es den Damen des Königshauses zu ermöglichen, das Straßenleben und Prozessionen zu beobachten, und ist Teil des City Palace-Komplexes, der das Herzstück der Altstadt bildet.

Zahlreiche internationale Fluggesellschaften unterhalten ein Büro im Jaipur Towers. Inlandsflüge bucht man hingegen einfacher über eines der großen Reisebüros. Es gibt tägliche Flüge nach Delhi; die meisten gehen weiter nach Mumbai via Jodhpur, Udaipur und Aurangabad. Das Rajasthan State Transport System deckt die wichtigsten Städte Rajasthans ab, ebenso private Luxusbusse. Die meisten dieser Orte sind auch mit dem Zug erreichbar.

Udaipur

Die romantischste Stadt Rajasthans am zauberhaften Lake Pichola hat zwangsläufig den Beinamen "Venedig des Ostens" erhalten. Die 1568 von Maharana Udai Singh gegründete Stadt ist eine harmonische Mischung aus weiß getünchten Gebäuden, Marmorpalästen, Gärten am Seeufer, Tempeln und havelis (traditionellen Herrenhäusern). Sie ist stolz auf ihr künstlerisches Erbe und ihren relativ großen Wasservorrat, die dazu beigetragen haben, Udaipur zu einer Oase der Kultur und Lebendigkeit inmitten öder Trockenheit zu machen.

Der Lake Pichola bildet das Zentrum der Stadt und beherbergt zwei bezaubernde Inselpaläste -Jagniwas und Jagmandir- geradezu die Verkörperung rajputischer Exzentrik. Ersterer ist heute ein feines Luxushotel. Der riesige City Palace überragt den See und ist mit Balkonen, Türmchen und Kuppeln geschmückt. Er enthält ein Museum, mehrere schöne Gärten und sündhaft teure Hotels. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Tore zu der alten ummauerten Stadt und deren hübsche Gassen, der schöne Jagdish Temple aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und das am Seeufer gelegene Bagore ki Haveli, einst ein königliches Gästehaus, heute ein Kulturzentrum.

Trotz der langen Liste an Sehenswürdigkeiten besteht der wahre Reiz eines Besuches von Udaipur darin, ein schönes Guesthouse am See zu finden, auf dessen Dach zu klettern und das Treiben an den Ghats zu beobachten, dem rhythmischen "klatsch!" zu lauschen, wenn die Waschfrauen den Schmutz aus der Wäsche prügeln, und das sanfte Wechselspiel des Lichts auf dem Wasser zu verfolgen, während gemächlich der Tag verstreicht.

Indian Airlines fliegt täglich nach Delhi, Jaipur, Mumbai und Aurangabad. Regelmäßige staatliche Busse fahren von Udaipur zu anderen regionalen Zentren sowie nach Delhi und Ahmadabad. Wer mit dem Bus fährt, sollte die Expressverbindung wählen. Zurzeit verkehren nur Schmalspurbahnen nach Udaipur, die irgendwann in Breitspurbahnen umgewandelt werden sollen. In den meisten Fällen ist der Bus schneller. Mit Taxis kann man in die Umgebung fahren, sollte aber vor dem Einsteigen den Preis ein wenig herunterhandeln.

Mysore

Diese reizvolle, unbeschwerte Stadt stellt ein beliebtes Reiseziel dar, da sie von überschaubarer Größe ist, ein angenehmes Klima aufweist und liebevoll ihr Erbe bewahrt und pflegt, anstatt es zu ersetzen. Die Stadt, für ihre Seidenstoffe berühmt, ist auch ein blühendes Zentrum für Sandelholz und Weihrauch, doch darf man nicht erwarten, dass die Luft hier wohlriechender als in irgendeiner anderen Stadt ist.

Bis zur Unabhängigkeit war Mysore der Sitz der Maharadschas von Mysore, ein Fürstentum, das ein Drittel des heutigen Bundesstaates Karnataka ausmachte. Der indosarazenische Palace ist mit seinen bunten Fenstergläsern, reich verzierten Spiegeln, geschnitzten Mahagonidecken, massiven Silbertüren und fröhlichen Farben der Hauptanziehungspunkt der Stadt.

Der Devaraja Fruit and Vegetable Market im Herzen der Stadt ist einer der farbenfrohesten Märkte Indiens. Die andere Hauptattraktion ist die Wanderung über 1000 Stufen auf den nahe gelegenen Chamundi Hill, auf dessen Spitze der riesige Chamundeswari Temple steht. Die Treppe wird von dem berühmten, aus einem Felsen geschnitzten, 5 m hohen Nandi (Shivas Stier) bewacht. Das 10-tägige Dussehra-Fest Anfang Oktober findet seinen Höhepunkt in einer spektakulären Prozession herausgeputzter Elefanten, livriertem Gefolge, Kavallerie, Blaskapellen und blumengeschmückter Abbilder hinduistischer Götter.

Es gibt keine Flüge nach Mysore, so dass nur Bus oder Bahn bleiben. Alle 15 Minuten fährt ein Bus nach Bangalore, eine Reihe weiterer Busse verkehrt zu regionalen Zielen wie dem Bandipur National Park. Eine Anzahl privater Busse bringt Passagiere in weitaus geruhsamerem Tempo nach Mumbai, Goa, Chennai und Hyderabad. Am Fahrkartenschalter vom Bahnhof Mysore muss man selten mit langen Warteschlangen rechnen. Vier Expresszüge verkehren täglich nach Bangalore, außerdem der klimatisierte Hochgeschwindigkeitszug Shatabdi Express, der weiter bis Chennai fährt.

Kochi (Cochin)

Die Hafenstadt Kochi erstreckt sich über mehrere Inseln und schmale Halbinseln. Die älteren Stadtteile sind eine ungewöhnliche Mischung aus mittelalterlichem Portugal, Holland und englischem Dorf, versetzt an die tropische Malabar-Küste. Hier findet man die älteste Kirche Indiens, von 500 Jahre alten portugiesischen Häusern gesäumte, verwinkelte Straßen, chinesische Fischernetze, eine jüdische Gemeinde, deren Wurzeln bis zur Zeit der Zerstreuung (Diaspora) zurückreichen, eine Synagoge aus dem 16. Jahrhundert, einen Palast, der einige der schönsten indischen Wandmalereien enthält, und man kann Aufführungen des weltberühmten Tanzdramas Kathakali erleben. Fähren fahren zwischen den verschiedenen Stadtteilen hin und her, und im Hafen sind oft Delfine zu beobachten. Die meisten historischen Sehenswürdigkeiten befinden sich in Fort Cochin und Mattancherry. Budget-Unterkünfte sind in Ernakulam auf dem Festland angesiedelt.

Indian Airlines fliegt täglich nach Bangalore, Mumbai, Delhi, Goa und Chennai. Zahlreiche Busse fahren von Kochi aus in fast alle Himmelsrichtungen. Die umliegenden Regionen lassen sich mit staatlichen oder privaten Bussen erreichen, aber man kann nicht vorab reservieren. Man geht einfach hin, gesellt sich zu der Menge und hofft auf etwas Glück - was in diesem Fall ein Sitzplatz wäre. Klappt es damit nicht, versucht man es am Bahnhof, von wo täglich Züge die Küste entlang zu den wichtigsten Zielorten fahren.

Noch mehr Sehenswertes

Darjeeling

Darjeeling, das sich in einer Höhe von über 2100 m im hohen Norden West-Bengalens über einen Bergkamm erstreckt, war seit dem 19. Jahrhundert eine beliebte "Hill Station" (Sommerfrische) der Briten. Die Stadt ist heute so beliebt wie eh und je. Sie bietet Besuche buddhistischer Klöster, Touren zu Teeplantagen, Einkaufsbummel über geschäftige Basare und Wanderungen in der Gebirgsregion im Norden. Wie bei vielen Orten im Himalaya besteht das halbe Vergnügen schon in der Anfahrt: Darjeeling erfreut sich einer einmaligen Attraktion in Form der berühmten Schmalspurbahn, die sich in Kurven und Serpentinen in einer 10-stündigen Plackerei, Ruß und Rauch ausstoßend, von der Ebene hochwindet.

Zu den Höhepunkten der Stadt zählt der Passenger Ropeway, der erste Sessellift, der in Indien gebaut wurde. Er verbindet Darjeeling mit dem weit unten am Little Ranjit Fluss gelegenen Singla Bazaar. Dies ist ein wunderbarer Ausflug, der für nicht-schwindelfreie Personen allerdings ungeeignet ist. In der Nähe liegt der Zoological Park, in dem Sibirische Tiger und seltene Kleine Pandas (Katzenbären) unter traurigen Bedingungen leben. Die Tiere sind (zumeist indischen) Touristen ausgeliefert, die sich einen Spaß daraus machen, sie zu ärgern und zu bespucken. Die wertvollen Schneeleoparden sind in einem separaten Gehege untergebracht und weitaus besser dran.

Wer sich über den komplexen Prozess der Teeherstellung informieren möchte, kann die Happy Valley Tea Estate besuchen. Im imposanten Gymkhana Club, einst Klubhaus der Briten, kann man den Tee in idealem Ambiente kosten.

Am leichtesten und bequemsten ist Darjeeling per Flugzeug zu erreichen. Der Flughafen, 90 km von Darjeeling entfernt, liegt in der flachen Ebene nahe Siliguri in Bagdogra;von hier gibt es einen Bus nach Darjeeling.

Jaisalmer

Diese Wüstenfestung nahe der Grenze Rajasthans zu Pakistan scheint direkt einem arabischen Märchen entsprungen zu sein. Das im 12. Jahrhundert als Versorgungsstation für Karawanen, die zwischen Indien und Zentralasien unterwegs waren, gegründete Jaisalmer ist eine goldene Stadt aus Sandstein mit einer zinnenbewehrten Stadtmauer, einer imposanten Festung und einer Reihe architektonisch herausragender "havelis".

Jaisalmers beeindruckendes Fort thront auf einem 80 m hohen Hügel, und etwa ein Viertel der 40 000 Einwohner der Stadt wohnen innerhalb seiner Mauern. Hier hat sich seit Jahrhunderten kaum etwas verändert, und wenn man je einen Rekordversuch unternähme, so viele Häuser, Tempel und Paläste wie möglich in einen begrenzten Raum zu zwängen, so wäre dies das Ergebnis. Durch das Fort mit seinen gewaltigen Toren, einem Maharadschapalast, einem offenen Platz für Feste und Zeremonien und wunderschön verzierten Jain-Tempeln schlängeln sich viele kleine Gassen. Die schönsten der von Jaisalmers wohlhabenden Kaufleuten gebauten havelis sind Patwon ki Haveli, Salim Singh ki Haveli und Nathmal ki Haveli.

Obwohl die Stadt unglaublich malerisch ist, ist leicht zu erkennen, dass Jaisalmer in einem alarmierendem Tempo verfällt. Ihr Zerfall hat jetzt endlich lokale und archäologische Interessengruppen, Regierungs- und Tourismusorganisationen zusammengebracht, und eine "Rettet Jaisalmer"-Kampagne wurde begonnen.

Kamelritte sind das große Geschäft in Jaisalmer und eine unvergessliche Möglichkeit, die Wüste zu erleben. Man sollte sich vorher genau erkundigen, was man für sein Geld geboten bekommt, sonst gibt es nicht selten Enttäuschungen. Die meisten Kameltouren dauern drei bis vier Tage, die beste Zeit ist zwischen Oktober und Februar.

Rajasthan hat ein relativ zuverlässiges Bus- und Bahnnetz, so dass man ohne große Mühe in die "Wüstenmetropole" kommt. Allerdings können sich wegen Reparaturarbeiten an den Gleisen kurzfristig Fahrplanänderungen ergeben, weshalb man sich nach der aktuellen Situation - und evtl. geänderten Abfahrtszeiten - erkundigen sollte. Wer Teil des Jetsets sein möchte, kann eine Reise mit dem "Palace on Wheels" buchen, der auf seinem Königsweg auch in Jaisalmer Station macht. Es handelt sich um ein mobiles Hotel auf Rädern, das wie der traditionelle Staatswagen eines Maharadschas ausgestattet ist - teuer, aber luxuriös. Jaisalmer ist übrigens 795 km von Delhi entfernt.

Leh

Leh, der Hauptort von Ladakh und einst Ausgangspunkt für Yak-Karawanen nach Zentralasien, liegt nördlich des Himalaya, fast schon in Tibet, in einem Nebental des Indus. Heute ist es sowohl ein strategisch wichtiges militärisches Zentrum wie auch ein Touristenort. Sein Ruhm gründet sich hauptsächlich auf seinen berühmten Palast (Leh Palace). Er wurde im 16. Jahrhundert erbaut, ist aber inzwischen verlassen und stark beschädigt. Von seinem Dach aus bietet sich eine herrliche Aussicht. Die Zanskar-Berge auf der anderen Seite des Indus scheinen in greifbarer Nähe. Der Palast wurde inzwischen von der königlichen Familie Ladakhs an die Indische Archäologische Gesellschaft verkauft, die ein ehrgeiziges Renovierungsprojekt in die Wege geleitet hat.

Es lohnt sich, den Kunsthandwerksläden und Restaurants für Rucksacktouristen den Rücken zu kehren, um durch die verwinkelten Gassen des Old Quarter zu bummeln und eine Ahnung davon zu bekommen, wie die Stadt ausgesehen haben mag, bevor hier Touristen einzogen.

Ein beliebter Tagesausflug führt von Leh zum 20 km entfernten Tikse Gompa, das malerisch auf einem Hügel mit Blick auf den Indus liegt. Es beherbergt eine bedeutende Sammlung von tibetischen Schriften und einige hervorragende Kunstwerke. Hier besteht auch eine gute Möglichkeit, religiöse Zeremonien zu erleben. Das Hemis Gompa, 45 km von Leh entfernt, ist das größte und wichtigste Kloster in Ladakh. Es ist für sein Hemis-Fest berühmt, das in der Regel in der zweiten Junihälfte oder Anfang Juli veranstaltet wird. Dabei finden zwei Tage lang sorgsam einstudierte Maskentänze statt, die von einer riesigen Menge begeisterter Zuschauer verfolgt werden. Wem die Fahrt nach Ladakh noch nicht aufregend genug war, der kann an organisierten Wildwasserfahrten auf dem Indus teilnehmen, außerdem finden sich Wandermöglichkeiten im Markha- und Industal.

Eine Fahrt nach Leh verlangt gute Planung: Zwischen Juni und September hierher zu fliegen ist in der Regel kein Problem; in den Wintermonaten hingegen kann dies ganz anders aussehen. Wenn die Wetterverhältnisse es zulassen, kann man von und nach Delhi, Jangmur und Srinagar fliegen. Von Leh aus gibt es nur zwei Busstrecken; beide sind eine unsichere Angelegenheit: Da die Ankunftszeit der Busse oft unbestimmt ist, kann man erst einen Abend vor Abfahrt ein Ticket kaufen. Falls Flugzeug und Bus ausfallen, kann man auf Überland-Jeeps und -Taxis zurückgreifen, die zwar teurer als Busse sind, aber jedenfalls fahren.

Khajuraho

Dieser ruhige, freundliche Ort im Norden von Madhya Pradesh ist voller Tempel, Tempel für alles mögliche: für Sonnengötter, für heilige Stiere und - was am nachhaltigsten in Erinnerung bleibt - für Sex. Steinfiguren von apsaras oder "himmlischen Jungfern" spitzen die Lippen und posieren wie Pin-up-Girls im Playboy, während mithuna, sinnliche Figuren, ein ganzes Kama Sutra von Stellungen und koitalen Möglichkeiten vorführen. Das alles ist höchst erotisch und ein Grund dafür, dass die Tempel von Khajuraho in der ganzen Welt berühmt sind. Insgesamt zählen die Kunstwerke hier zu den schönsten der Chandela-Zeit, einer Dynastie, die sich über fünf Jahrhunderte an der Macht hielt, bevor sie dem Ansturm des Islam unterlag. Eine Besucher-Attraktion ist das im März stattfindende Tanzfest, bei dem einige der besten klassischen Tänzer und Tänzerinnen Indiens auftreten - im Licht der Scheinwerfer bieten die Tempel eine stimmungsvolle Kulisse für diese Veranstaltung.

Die größten und bedeutendsten Tempel gehören zur reizvoll angelegten "Western Group". Äußerlich bestehen sie aus krummlinigen Türmen, an die sich wiederum kleinere Türmchen schmiegen, was sehr suggestiv an nach oben ragende Spitzen oder Wipfel erinnert. Um die Außenmauern gruppieren sich zwei, manchmal auch drei übereinander liegende Reihen von Göttern, Göttinnen, Königen und Helden, Kurtisanen und Liebespaaren in sinnlicher Umarmung; einige Friese zeigen durchaus deftige Szenen fast pornographischer Natur. Das Innere der Tempel ist reich verziert, mit einem offenen Säulengang, der in die Haupthalle führt, dann einem Vorplatz, hinter dem ein inneres Heiligtum liegt, das die frei stehende Kultfigur birgt. Architektur und Plastik sind so perfekt miteinander verschmolzen, dass jedes Gebäude wirkt, als sei es von einer einzigen - äußerst sinnenfreudigen - Idee bestimmt.

Die Fahrt und Anreise nach Khajuraho kann ziemlich problematisch sein. Es liegt wirklich weit ab vom Schuss, und man muss lange Busfahrten auf kleinen Landstraßen in Kauf nehmen. Fliegen ist einfacher: Indian Airlines bietet täglich eine Delhi-Agra-Khajuraho-Varanasi-Verbindung, die aber häufig restlos ausgebucht ist, deshalb sollte man so früh wie möglich buchen. Busse fahren von Agra, Ghansi und Jhansi hierher. Wer mit dem Zug reist, steigt in Jhansi aus und nimmt dann den Bus weiter bis Khajuraho.

Kerala Backwaters

Das komplexe Netz von Lagunen, Seen, Flüssen und Kanälen an der Küste von Kerala bildet die Basis für eine besondere regionale Lebensweise. Diese "Backwaters" mit dem Boot zu bereisen, ist sicher der Höhepunkte eines Besuchs in Kerala. Die Boote fahren über seichte, von Palmen gesäumte und mit Fischernetzen übersäte Seen und entlang schmaler schattiger Kanäle, an denen Kokosfasern, Kopra und Cashewnüsse auf Boote verladen werden. Zwischenstopps gibt es in kleinen Siedlungen, wo die Menschen auf sorgsam bewirtschafteten, nur wenige Meter breiten Landstreifen leben. Man hat Gelegenheit, traditionelle Boote mit riesigen Segeln und Drachenbug zu sehen. Der beliebteste Backwatertrip ist die achtstündige Route von Kollam nach Alappuzha oder umgekehrt; die meisten Teilnehmer dieser Fahrten sind westliche Touristen. Wer mehr Lokalkolorit oder einen kürzeren Ausflug vorzieht, kann mit einem lokalen Boot von Alappuzha nach Kottayam oder Changanassery fahren.

Kollam liegt auf der von vielen Bussen bedienten Strecke zwischen Thiruvananthapuram und Ernakulam sowie an vier verschiedenen Bahnlinien. So stellt es kein Problem dar, von den größeren Städten des Südens hierher zu gelangen; von Delhi dagegen ist es ein sehr, sehr langer Weg - 2756 km, um genau zu sein.

Andamanen und Nikobaren

Diese Kette von 300 dicht bewaldeten tropischen Inseln liegt im Golf von Bengalen zwischen Indien und Myanmar und erstreckt sich fast bis zur Spitze Sumatras. Ethnisch gesehen gehören die Inseln nicht zu Indien und bis vor kurzem lebten hier nur indigene Völker. Die Mehrzahl der Andamanen und Nikobaren sind unbewohnt, von Korallenriffen umgeben und von weißen Sandstränden und ganz klarem Wasser gesäumt. Hier finden sich ideale Orte zum Schnorcheln, Tauchen und Faulenzen am Strand. Indische Touristen können sich frei bewegen. Ausländer sind hingegen durch eine 30-Tage-Besuchsgenehmigung eingeschränkt, die nur ein begrenztes Reisen zulässt. Es verkehren regelmäßige Flüge von Kalkutta und Chennai (Madras) nach Port Blair auf der Insel South Andaman; die Besuchserlaubnis wird nach Ankunft am Flughafen erteilt. Die unregelmäßigen Schiffe von Kalkutta und Chennai brauchen vier Tage bis zu den Inseln. Wer das Schiff benutzt, muss sich schon vorher eine Besuchsgenehmigung besorgt haben.

Kanha National Park

Kanha ist einer der größten und abgeschiedensten Nationalparks Indiens. Er umfasst 1945 qkm Wald und spärlich bewaldetes Grasland, das von einem ausgedehnten Netz an Flüssen und Bächen durchzogen wird. Der Park, angeblich Schauplatz von Kiplings Dschungelbuch, beherbergt eine imposante Vielfalt an Tieren, darunter Leoparden, Chitals (Axishirsche), Sambars und, am berühmtesten, Tiger. Es ist möglich, den Park am frühen Morgen oder Abend auf dem Rücken eines Elefanten zu erkunden. Die Aussichten, einen Tiger zu erspähen, sind jedoch nicht unbedingt günstig, was eventuell auch auf Wildererbanden zurückzuführen ist. Zwar können hier die ganze Saison hindurch Tiere beobachtet werden, doch die heißeren Monate März und April sind am besten, weil die Tiere dann auf der Suche nach Wasser den Schutz der Bäume verlassen. Der Park ist vom 1. Juli bis zum 31. Oktober geschlossen.

Es gibt zweimal täglich direkte öffentliche Busse von Jabalpur. Dabei handelt es sich um klapperige alte Fahrzeuge, in denen Platz Mangelware ist (zumindest bis hinter Mandla), deshalb sollte man nicht zu viel Gepäck dabeihaben. Der nächste Bahnhof liegt eine nicht ganz zweistündige Busfahrt entfernt.

Weitere Regionen

Preisniveau

Mahlzeiten

  • Preiswerte Mahlzeit: 45 Rs
  • Essen in einem Restaurant der Mittelklasse: 45-120 Rs
  • Essen in einem Luxusrestaurant: ab 230 Rs

Übernachtung

  • Zimmer im Budgethotel: 140-460 Rs
  • Mittelklassehotel: 460-4600 Rs
  • Luxushotel: ab 9000 Rs

Währung

Indische Rupie (Rs)


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